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Bad Homburg. Bei Temperaturen über 30 Grad wird es für einige Menschen lebensgefährlich. Vor allem solche, die an Erkrankungen wie Diabetes leiden, aber auch für Ältere, die vergessen, genügend zu trinken: Sie kollabieren bei der Hitze. Und dann ist jede Minute kostbar. Was aber, wenn gerade alle Rettungshelfer und -wagen im Einsatz sind?

Das Thema ist hochaktuell. «Seit dem 1. Juli gab es im Hochtaunuskreis knapp 90 kollabierte Personen», berichtet Kreisbrandinspektor Carsten Lauer, der auch für die Rettungsleitstelle verantwortlich ist. Damit seien die Rettungssanitäter drei Mal mehr als im vorigen Juli gerufen worden. Die Patienten waren meist dehydriert, hatten also bei der Hitze zu wenig getrunken. Wegen der Blut-Verdickung ergebe sich so eine erhöhte Thrombose-Gefahr. Auch Menschen mit Insektenstichen oder Brech-Durchfall haben die Sanitäter häufig angetroffen.

Knapp 30 der 90 kollabierten Personen wohnten in Bad Homburg – der größten Stadt im Kreis einerseits, aufgrund der Kliniken aber auch eine mit besonders vielen Älteren und Kranken. Da trifft es sich gut, dass Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz (DRK) inzwischen in der Erstversorgung solcher Notfälle verzahnt arbeiten.

«Unsere Feuerwehrleute – die haupt- wie die ehrenamtlichen – sind so gut ausgebildet, dass sie die Zeit überbrücken können, bis der Rettungsdienst kommt», sagt der Leiter der Homburger Feuerwehr, Daniel Guischard. Das ist nicht selbstverständlich. Feuerwehr-Dezernent Wolfgang Hof (FDP) ist sicher, dass diese Kooperation zum Nutzen der Homburger Bürger «wegweisend» sei. «Sie hat «Modellcharakter», ist sich Lauer bewusst. «Das sollten andere Wehren im Kreis adaptieren.»

Rettungsrucksäcke an Bord

Über den Notruf «112» disponiert die Zentrale jeden Notfall, entweder ans DRK oder, falls überlastet, außerdem an die Wehr. Der Einsatz der Brandbekämpfer sei kein Ersatz für den Rettungsdienst, betont Guischard. Gleichwohl könnten die Wehrleute Leben retten, indem sie den Blutdruck der Patienten messen oder die stabile Seitenlage anwenden. Hat jemand das Bewusstsein verloren, kommt der Defibrillator zum Einsatz, der bei Kammerflimmern durch Stromstöße einen plötzlichen Herztod vermeiden hilft. Eine Computer-Ansage teilt dem Sanitäter mit, was als Nächstes zu tun ist. Etwa 90 dieser Geräte gebe es im gesamten Kreis, weiß Peter Weidmann, beim DRK zuständig für die Fortbildung der Ersthelfer.

«Wir haben das Glück, dass die Homburger Wehr auch gut mit medizinischem Material ausgerüstet ist», sagt Guischard. Anstatt wie früher den Notfallkoffer, der ähnlich wie ein Erste-Hilfe-Koffer im Pkw vor allem Verbandsmaterial enthält, arbeiten DRK sowie auch die Feuerwehr heute mit «Rettungsrucksäcken», die sich in allen Einsatzwagen befinden, aber auch in dem roten VW-Kombi, mit dem die Erstretter der Wehr unterwegs sind.

25 Kilogramm wiegt ein solches Rettungspaket. Die Wehr hat acht Rucksäcke, einer ist an die 2800 Euro wert. In ihm befinden sich außer Verbandsmaterial und einem Defibrillator auch Infusionslösungen, Kühlpacks gegen Verbrennungen oder Insektenstiche, Sauerstoff-
Inhalationsgeräte. Als großen Vorteil bezeichnen Wehr wie DRK die Tatsache, dass beide das gleiche Material benutzen. Somit werde kostbare Zeit gespart – und letztlich auch Geld.

© 2010 Taunus Zeitung